Ouvertüre zur Oper „Don Giovanni“, KV 527
Abendlicht

Das 6. Symposium der Liszt Akademie Raiding steht unter dem Motto „Romantische Klangwelten“. Zunächst werden zunächst die
seit dem Frühjahr 2025 im Rahmen der Umgestaltung des Liszt Museums neu aufgestellten Tasteninstrumente des Franz Liszt Vereins
vorgestellt und mit Musikbeispielen präsentiert: die als „Liszt-Orgel“ bekannte Orgel aus der alten Raidinger Kirche, den
von Liszt gespielten Érard-Hammerflügel von 1850, das nach dem Komponisten benannte Spezial-Pedalharmonium der amerikanischen
Firma Mason & Hamlin von ca. 1900 sowie ein Tafelklavier der englischen Firma Broadwood aus der Zeit von Liszts Kindheit.
Am Nachmittag widmen sich vier Vorträge mit Instrumentendemonstrationen und Musikbeispielen dem Holzblasinstrumentarium des
19. Jahrhunderts und der revolutionären Orchesterkunst Franz Liszts.
Mit Musik von Biber, Beer und Bach entfaltet
sich im Schloss Kammer ein Festkonzert von außergewöhnlicher dramaturgischer Spannung: ein Abend, der barocke Klangwelten
zwischen Kriegsszenen, Klage und triumphierender Festlichkeit hörbar macht. Bibers berühmte Battalia zeichnet ein
kraftvolles, beinahe theatralisches Klanggemälde voller rhythmischer Schärfe und instrumentaler Überraschungen. Darauf antwortet
Johann Beer mit seiner Soldatenklage „Nulla salus bello“, einer eindringlichen Miniatur über die Ausweglosigkeit des Krieges.
Bachs Kantate „Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!“ führt anschließend in eine Welt festlicher Strahlkraft,
pulsierender Rhythmen und höfischer Pracht. Mit dem Dramma per musica „Schweigt, spielende Wellen, und murmelt gelinde“ öffnet
Bach danach einen weiteren Klangraum: Naturbilder, allegorische Figuren und musikalische Eleganz verbinden sich zu einem farbenreichen
Festspiel.
Getragen vom Orchester Wiener Akademie unter Martin Haselböck und einem exzellenten Solist:innen-Ensemble
wird Schloss Kammer zum Resonanzraum barocker Energie – ein Abend voller Pauken, Pracht und musikalischer Tiefenschärfe.
Martin Haselböck über das Programm der Orchestermatinee: „Franz Liszt hat den Mythos von Dr. Faustus in zwei großartigen
Orchesterwerken bearbeitet: die große Dichtung Goethes hatte er bereits 1830 kennengelernt, die langjährige Beschäftigung
mit dem Text mündete in Liszts größter und bedeutendster Orchesterkomposition, seiner „Faust-Sinfonie“, die am 5. September
aus Anlass der Enthüllung des noch heute dort stehenden Goethe-Schiller-Denkmals in Weimar uraufgeführt wurde. In dieser
Version hören wir das Meisterwerk auch in Raiding. 1836 hatte Nikolaus Lenau den Faust-Stoff in einem melancholisch-nihilistischen
Gedicht bearbeitet. Liszt stand dieser Deutung, die in Faust einen schwachen Charakter sieht, der von Mephisto manipuliert
und schließlich in den Selbstmord getrieben wird, durchaus näher. So komponierte er zwei prachtvolle Orchesterbilder: Der
nächtliche Zug – eine Prozession zieht vorüber und lässt Faust in Verzweiflung zurück und Der Tanz in der Dorfschenke-Mephisto
führt im Wirtshaus einen orgiastischen Tanz auf, den bekannten 1. Mephistowalzer.“