Tres Horas

Joseph Haydn – Die Sieben Worte unseres Erlösers am Kreuze
Orchesterfassung (1786) mit Texten von Alonso Messia Bedoya 
 
Orchester Wiener Akademie

Dirigent Martin Haselböck

Michael Heltau, Sprecher

Meinrad Hofer, Projektionen und Portraits

Matthias Henke – Textbearbeitung und Dramaturgie 

1737 veröffentlichte der Jesuitenpater Alonso Messia Bedoya in Peru seine
 Schrift Tres Horas. Hier beschrieb er minutiös eine neuartige, von ihm maßgeblich entwickelte Andachtsform. Sie hatte zum Ziel, am Karfreitag (zwischen 12 und 15 Uhr, den biblischen Vorgaben entsprechend) der Kreuzigung Christi und dessen letzter Worte zu gedenken. In den Tres Horas veröffentlichte Bedoya aber auch seine Mediationen, in denen er die „Sieben letzten Worte des Erlösers“ reflektierte. Über Spanien verbreitete sich sein Andachtsbuch in Europa. Und ebenfalls von Spanien, aus Cadíz, erhielt Haydn den Auftrag, das Septenar gemäß den von Bedoya eingeführten Regularien zu vertonen. 
 
Haydn, seinerzeit der berühmteste Komponist der Welt, muss die Veröffentlichung Bedoyas genau gekannt haben. Das legen jedenfalls zahlreiche Übereinstimmungen seiner Musik mit den Deutungen des Jesuitenpaters nahe (siehe: Matthias Henke, Hans Ulrich Weidemann, Die Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, Stuttgart 2017). Und es dürften auch Bedoyas Texte gewesen sein, die bei der Uraufführung den sieben Sonaten Haydns vorgeschaltet wurden. 
 
Was liegt also näher, fragten sich Martin Haselböck und Matthias Henke, als nach rund 200 Jahren Haydns Musik mit den meditativen Texten Bedoyas erstmals wieder zu vereinen? Im Sinn des von Bedoya entworfenen Theatrum sacrum wird ferner auch der performative Charakter seiner Andacht berücksichtigt, beispielsweise durch ein „Bühnenbild“ in Form projizierter, suggestiver Bilderwelten. Im Zentrum des photographischen Werks von Meinrad Hofer steht das menschliche Antlitz. Portraits, Masken, Photographien von lebendigen und steinernen Köpfen werden auch seine Bildwelt zu Haydns Meditationsmusiken bestimmen.